Selbstporträt Barbara Esser

Manchmal sagt ein Bild mehr als viele Worte

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Warum findet ein Selbstporträt seinen Platz auf einer Seite wie Bergweh? Vielleicht, weil es mehr über mich erzählt als ein klassischer Text über das „Wer wir sind“ oder „Über mich“.

Dieses Bild ist auf eine ganz besondere Weise mit dem verbunden, was Bergweh für mich ausmacht: die Liebe und Faszination zur Fotografie und die Freude daran, Bilder nicht einfach nur zu machen, sondern ihnen mit Zeit, Handwerk und Leidenschaft eine eigene Seele zu geben.

Entstanden ist das Selbstporträt mit einer Balgenkamera und im Nassplatten-Kollodium-Verfahren, hergestellt von einem lieben Fotofreund. Ein einzigartiges fotografisches Erlebnis und zugleich ein Bild von mir.

Und so zeigt dieser Bericht nicht nur eine besondere Art der Fotografie. Er zeigt auch das Gesicht hinter Bergweh. Hinter dem, was ich mit Herzblut aufbaue, mit Leben fülle, bewahre und immer wieder neu entdecke. Bergweh ist für mich weit mehr als eine Marke: Es ist ein Stück von mir, meine Leidenschaft, meine Handschrift und meine ganz persönliche Sicht auf die Welt.

Dieses Bild zeigt deshalb nicht einfach nur mich. Es zeigt das Gesicht hinter Bergweh.

Ein Bericht über die Nassplatten-Fotografie

Ein Fotoshooting der besonderen Art mit Bernd Mayer im August 2026

Heute nimmt mich Bernd mit auf eine Reise in eine andere Zeit der Fotografie, fern unserer digitalen Fotowelt. In eine längst vergangene Zeit, in der die technische Entwicklung der Fotografie gerade Fahrt aufnimmt. Es geht um das Kollodium-Nassplatten-Verfahren, das Frederick Scott Archer 1851 veröffentlichte und das sich in den folgenden Jahren sowohl für Glasplatten als auch für Metallplatten weiterentwickelte. Auf Metall entstand daraus unter anderem die Ferrotypie, auch Tintype genannt.

Bernd, der sich auf seiner Visitenkarte mit „Berndinho“ ausweist, hat seine Leidenschaft für diese historische Fototechnik entdeckt und mit viel Hingabe ein kleines Fotostudio eingerichtet, in dem ich mich sofort in eine andere Fotozeit zurückversetzt fühle. Inmitten des Raumes steht das wertvolle Kernstück: eine echte, historische Balgenkamera, montiert auf einem Holzgestell, das Berndinho eigens dafür konstruiert hat. Dahinter ein zeitlich dazu passender Holzstuhl mit einer Kopfstütze für das Fotomotiv.

Das Shooting

Ich hatte bereits auf dem Stuhl Platz genommen und warte gespannt auf das was kommt. Berndinho hat die Kopfstütze angepasst und hinter der Kamera die Schärfeebene auf meine Augen justiert. Bei dieser Art der Fotografie muss die porträtierte Person während der Belichtung möglichst ruhig sitzen bleiben. Jede Bewegung kann das Bild beeinflussen – und bei einer Belichtungszeit von etwa vier Sekunden ist das gar nicht so einfach. Ich strenge mich an, ruhig zu sitzen, vor allem die Augen offen zu halten und dabei trotzdem entspannt zu bleiben. Nun nimmt der Fotograf, hier also Berndinho, den Deckel von der Linse und zählt: „Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig.“ Bei „dreiundzwanzig“ drückt er auf seinen Fußknopf, der den separat aufgestellten Blitz mit Getöse auslöst und die Szenerie für einen kurzen Moment mit gleißendem Licht überflutet. Bei „vierundzwanzig“ ist der Zauber vorbei. Berndinho verschließt die Linse wieder mit dem Deckel – und das Bangen geht los, ob alles geklappt hat.

Vorbereitung

Bevor es jedoch zu diesem Fotomoment kommt, ist eine Menge Vorarbeit nötig. Zunächst bekomme ich die Abläufe vorab erklärt, damit ich auf den Blitz vorbereitet bin und mich auf keinen Fall vor Schreck bewege. Das A und O: die Augen offenhalten, nicht zucken und möglichst ruhig sitzen.

Danach bereitet er die Metallplatte in der Dunkelkammer vor. Sie muss absolut sauber sowie staub- und fettfrei sein. Dann wird die Platte mit der Kollodiumlösung gleichmäßig überzogen – und genau das ist eines der Künste dieses Verfahrens. Anschließend kommt sie in ein Bad aus Silbernitratlösung. Dabei entsteht die lichtempfindliche Schicht mit Silberhalogeniden. Von diesem Moment an beginnt der Wettlauf gegen die Zeit: Die Platte muss nass bleiben und innerhalb kurzer Zeit belichtet und entwickelt werden.

Die sensibilisierte Platte wird in eine lichtdichte Plattenkassette eingesetzt. Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend: Sie darf weder bereits zu trocken sein noch ungünstig von überschüssiger Flüssigkeit bedeckt sein. Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und die Beschaffenheit der Platte spielen dabei eine Rolle. Hier sind Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt. Berndinho ist aufgeregt und meldet kurz darauf: „Jetzt ist es soweit.“

Nachbereitung

Nach dem Belichtungsvorgang folgen weitere Arbeitsschritte, die das gewünschte Ergebnis der belichteten Platte noch gefährden können. Zunächst wandert die Platte wieder in die Dunkelkammer. Dort wird sie in kurzer Zeit entwickelt. Erst bei diesem Prozess entsteht das eigentliche fotografische Bild. Danach geht es ins Fixierbad. Wieder ein entscheidender Schritt, bei dem etwas schiefgehen und die bisherige Arbeit zunichtegemacht werden kann. Die Platte wird anschließend gewaschen und getrocknet; schließlich schützt eine Lackierung die empfindliche Bildschicht.

Berndinho verrät mir, dass ihm dieser Moment jedes Mal aufs Neue Gänsehaut beschert: der Augenblick, in dem er erkennt, dass der Arbeitsgang erfolgreich war und das Foto fixiert ist. Erst jetzt wird endgültig klar, ob der Schuss gelungen ist. Bei meinem Shooting braucht Berndinho drei Versuche, bis das Ergebnis seinen Ansprüchen genügt.

Die Platten kommen nacheinander ins Wasserbad, werden mehrere Minuten gespült und anschließend auf einer Wärmeplatte bei etwa 50 Grad Celsius getrocknet. Durch die moderne elektrische Heizplatte kann Berndinho diesen Vorgang heute deutlich beschleunigen. Erst wenn die Aluplatte vollständig getrocknet ist, folgt die Lackierung als Schutzschicht und zu guter Letzt seine Signierung auf der Rückseite der Platte.

Charakteristik

Jetzt ist das fotografische Bild fertig. Berndinho ist sehr zufrieden und auch mir gefällt es sehr gut, das Porträt zieht mich in seinen Bann. Und genau darin liegt für mich der besondere Reiz dieser Technik: Die Bilder wirken unglaublich unmittelbar. Sie zeigen eine außergewöhnlich feine Detailzeichnung, sanfte Tonwertübergänge und zugleich sehr charakteristische Lichter und tiefe Schatten. Hinzu kommen die kleinen Unregelmäßigkeiten, die bei einem handwerklich hergestellten Einzelstück entstehen können – eine nicht ganz perfekte Beschichtung, winzige Spuren, Staub oder Schlieren. Nichts wirkt klinisch perfekt. Und gerade das macht den besonderen Charme aus.

Die Porträts haben eine Ausstrahlung, die ihresgleichen sucht. „Seelenbilder“ nennt Berndinho seine ausdrucksstarken Fotografien. Mit meinem Porträt ist ein neues „Seelenbild“ hinzugekommen.

Ich bin angerührt und kann seine Begeisterung für diese faszinierende, entschleunigte Art der Fotografie sehr gut verstehen. Vielen Dank Berndinho.