Buch Bergweh® - Hüttenleben

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Bergweh® - Von der Faszination der Alpen - Leseprobe

Der Erlebnisbericht geht auf viele Themen ein, die den Bergwanderer für seine Überlegungen interessieren. In diesem Textauszug aus dem Buch wird der Hüttenbetrieb einer großen Alpenverinshütte aufs Korn genommen.

Geigenkamm - Braunschweiger Hütte (Ötztaler Alpen, Österreich)

... Die Braunschweiger Hütte ist die Schnittstelle, an der sich der Europäische Fernwanderweg, kurz E5, mit dem Weg der Geigenkammüberschreitung kreuzt. Sie steht auf einer Höhe von 2.759 Metern und ist Stützpunkt für Eisausbildungskurse, bietet familienfreundliche Klettersteigrouten vom Tal her kommend an  und dient als Ausgangspunkt für Gipfelhochtouren. Das heißt sie ist Anlaufstelle für viele Bergsportler, die sich aus allen Richtungen einstellen, um hier für eine Nacht Schutz zu finden, bevor alle wieder auseinander strömen. Heute gibt es ganz viele geführte E-5-Wandergruppen, was sich daran festmachen lässt, dass alle Tische außer einem einzigen für diese Gruppen reserviert sind.

Die Hütte ist groß und bereits um einen komfortablen neuen Schlaftrakt erweitert worden und trotzdem sind alle Betten belegt. Wer jetzt unangemeldet eintrifft und hier schlafen möchte, bekommt ein Notlager angeboten. Alle Alpenvereinshütten sind verpflichtet, jedem Wanderer Schutz zu bieten. Wer nach einer langen Wanderung abends hier eintrifft hat die Gewissheit, ein Dach über dem Kopf zu haben. Und genauso verhält es sich mit den Notlagern. Wenn die Betten belegt sind, gibt es ein Kontingent an Matratzen mit Wolldecken, die da ausgelegt werden, wo noch irgendwo Platz ist, meist entlang der Gänge und wenn die auch vergeben sind, bleibt noch der Gastraum, wo der Gast nach zweiundzwanzig Uhr, wenn die übliche Hüttenruhe einkehrt, nur noch zwischen Tisch, Bank oder Boden wählen kann. Gelobt sei was hart macht. Anders ist es nicht zu erklären, warum die Hütten trotzdem immer wider überfüllt sind. Dass dies öfter der Fall ist, merkt man daran, wie gut die Hüttenbetriebe bereits darauf eingestellt sind, dem Ansturm mit einer straffen Organisation und einer gut funktionierenden Logistik zu begegnen.

Heute erleben wir die Braunschweiger Hütte in diesem Ausnahmezustand. Wer hier zum Hüttenpersonal gehört, sollte unbedingt ein Allroundtalent sein, Nerven wie Drahtseile haben und dabei passend zum feschen Trachtenlook auch noch souverän dreinschauen. Und wenn er die schwer beladenen Tabletts heran trägt, sollte er tunlichst abprallen lassen, was so mancher Gast an ihn heran trägt. Hier oben funktioniert vieles anders als im Tal, was in der routinierten Betriebsamkeit vielleicht in Vergessenheit gerät. Das rührt daher, dass man sich dank der gut organisierten Küche und der reichhaltigen Speisekarte eher in einem Landgasthof wähnt, als auf einer hochgelegenen Hütte.

Oft verfügen die Hütten heute über eine Materialseilbahn, über die sie ihre Versorgung organisieren können. Es gibt aber genügend Hütten, die ausschließlich über Helikopter-Flüge beliefert werden oder zu denen noch alles hoch getragen wird. Im Allgäu gibt es sogar eine Hütte, zu der Haflinger Pferde jeden Tag die Lasten hoch tragen. Auch die Wasserversorgung steht und fällt mit dem, was an der Hütte vorbei fließt oder eben nicht. So manche Hütte, die bei ihrer Erbauung am Gletscherrand stand, steht heute inzwischen weit über dem Eis. Die Braunschweiger Hütte hat sowohl ihre Lastenseilbahn als auch eine gesicherte Wasserversorgung, obwohl der Gletscher heute deutlich tiefer fließt als früher. Das belegen die alten Fotoaufnahmen, die die Wände schmücken. Sie ist modern und groß geworden.

Wir verbringen zwei Nächte hier oben und haben dadurch Gelegenheit, die Hütte etwas näher kennenzulernen. Besonders unsere Begegnungen hier oben sind spannend, weil hier alle zwangsläufig eng zusammenrücken. Umso mehr wird augenscheinlich welche Typen hier aufeinandertreffen.

Der selbstgefälltige Typ: Er rückt sich am auffälligsten in den Vordergrund, weil er wortgewaltig seine Ansichten zum Besten gibt. Er zieht nicht in Erwägung, dass es auf der Hütte Wanderer gibt, die nicht den E 5 abwandern. Somit wird er auch nicht gewahr, dass wir seine Frage, wie wir von Meran wieder nach Oberstdorf zurückkommen, nicht beantworten können. Wenn die Hüttenruhe ihn aus der Gaststube verbannt, erzählt er im Schlafsaal ungehemmt weiter bis er endlich beschließt, Ruhe zu geben. Dann schläft er gnadenlos fest ein und lässt die anderen an seinen Holzfällerarbeiten teilhaben. ...

Der "Newcomer" ist sozusagen das Greenhorn der Alpen. ...

Wer jetzt wissen möchte, wer sich hinter dem Newcomer, dem "Hightech"-Typ oder dem Last-Minute-Typ verbirgt, der kann das im Buch weiterlesen.

© Barbara Esser

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